Großes Kino mit Helden

Das Remis gegen Dachau fĂŒhlt sich fĂŒr die SG Garitz/NĂŒdlingen wie ein Sieg an

 

SG Garitz/NĂŒdlingen - ASV Dachau 22:22 (12:12).

Anschnallen und festhalten. Auf eine irre Fahrt nahmen die SG-Frauen ihr Publikum mit. Emotional komplett durchgeschĂŒttelt wurden nicht nur die Fans. Mit der Schlusssirene war Dachaus Torfrau ein HĂ€ufchen Elend, das weinend auf der Torlinie saß, unter TrĂ€nen das Shakehands mit dem Gegner ĂŒber sich ergehen ließ. Nach einem Unentschieden, das sich auf Seiten der Oberbayern wie eine Niederlage anfĂŒhlte.

Auszeit Dachau. Ballbesitz Dachau. Keine 20 Sekunden waren mehr zu spielen, als die Unterfranken dank der PassivitĂ€t des Gegners einen letzten Angriff bekamen. Verzweiflung. GenialitĂ€t. All das steckte im weiten Pass von Caro Annon. Zirkusreif pflĂŒckte Anne FrĂŒh das SpielgerĂ€t und traf zum 22:22. Die TribĂŒne bebte. Und bibberte, weil der ASV tatsĂ€chlich vom Anwurf weg noch einen freien Wurf bekam – den Pia Kunzmann mit einem Sensationsreflex abkochte. Unentschieden. Daheim weiter unbesiegt. Großes Kino in der Schlossberghalle, wo das Beifalls-Barometer auf Anschlag war. „Das war wie im Film. Ich wollte diesen letzten Ball unbedingt halten“, sagte spĂ€ter Pia Kunzmann, die im Verlauf der zweiten Halbzeit ihre Chance bekommen – und grandios genutzt hatte. „Ich wollte mich nicht verrĂŒckt machen und einfach zeigen, was ich kann“, strahlte die junge Torfrau.

Wie in den vergangenen Spielen auch, begann Stephanie Piske zwischen den SG-Pfosten. „Ich hatte mich zu Beginn fĂŒr die grĂ¶ĂŸere Routine entschieden“, sagte Trainer Harun Tucovic. Und das zurecht. Nach einem 1:3-RĂŒckstand steigerte sich die 5:1-Abwehr gegen eine der stĂ€rksten Offensivreihen immens. Und dank guter AbschlĂŒsse, insbesondere von Caro Annon und Julia Albert, fĂŒhrten die Gastgeber mit 5:3, bauten den Vorsprung sogar auf 9:5 aus.

Aber die unĂŒbersehbaren QualitĂ€ten der ASV-Frauen sollten ab dem 10:7 zunehmend besser zur Geltung kommen, sodass der Gleichstand zur Pause durchaus dem Spielverlauf entsprach. Gleich zwei Überzahl-Spiele hatte die Spielgemeinschaft ohne Tor abgeschlossen. „Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie derzeit konditionell nicht top ist. Aber mit einer super Teamleistung haben wir das kompensiert. Das Publikum hat jedenfalls etwas geboten bekommen“, sagte Tucovic.

Besser aus der Kabine kam Dachau, das mit 15:13 fĂŒhrte, als Pia Kunzmann ins Tor beordert wurde, mit UnterstĂŒtzung des Pfostens gleich zwei Siebenmeter und einige freie WĂŒrfe parierte. Aktionen, die die Oberbayern beeindruckten, die zudem einige Zeitstrafen kassierten. „Wir hĂ€tten uns in dieser Phase absetzen können“, wusste der Trainer. Aber auf SG-Seite schlichen sich einige technische Fehler zu viel ein. Stark zumindest der von Julia Albert „geklaute“ und zum 18:17 verwertete Ball. Aber die bessere Ausgangslage verschafften sich die Oberbayern, die ihre 22:20-FĂŒhrung halt nicht ĂŒber die Zeit brachten. „Wenn wir mit einem Tor Unterschied verloren hĂ€tten, wĂ€re es auch eine super Leistung gewesen. Aber Pia hat megacool gehalten. FĂŒr uns war das ein gefĂŒhlter Sieg“, sagte Lisa Wenzke, die aufgrund einer Fingerverletzung nicht wie gewohnt ihre WĂŒrfe setzen konnte, dennoch 60 Minuten auf der Platte stand, drei Tore erzielte und als defensive Fachkraft Akzente setzte.

„So ein Spiel schweißt zusammen. Jetzt wollen wir auch gegen Regensburg punkten“, sagt Tucovic. Das Match am Samstag gegen die OberpfĂ€lzer ist wieder ein Heimspiel. Großes Kino nicht ausgeschlossen.

Tore fĂŒr die SG: Carolin Annon (5), Anne FrĂŒh (4/1), Julia Albert (4), Sabrina Kleinhenz (3), Anna Kleinhenz (3), Lisa Wenzke (3).

 
Von JĂŒrgen Schmitt
Quelle: mainpost.de